Kommissions-Entwurf für EU-Vergabe-Verordnung veröffentlicht
Die Europäischen Kommission hat nun offiziell ihren Entwurf einer Verordnung über öffentliche Aufträge und Konzessionen veröffentlicht.
Nachdem bereits ein Entwurf „geleakt“ wurde, liegt nunmehr der offizielle Kommissions-Vorschlag für eine Reform des EU-Vergaberechts vor. Die wesentlichen Änderungen finden Sie hier im Überblick:
- Eine Verordnung: Anstelle von bisher drei Richtlinien (klassischer und Sektorenbereich sowie Konzessionen) soll nunmehr für die gesamte EU eine einheitliche Verordnung gelten. Damit fällt die Umsetzung in nationales Recht weg, wodurch der Vergabe-Binnenmarkt deutlich gestärkt bzw vereinheitlicht werden soll. Nationale Sonderregelungen („Gold Plating“) sollten damit weitgehend der Vergangenheit angehören.
- Verfahrens-Flexibilisierung: Die Verfahrensarten sollen reduziert und flexibilisiert werden. Im Wesentlichen sollen zwei Typen übrigbleiben: offene Verfahren (ggf sogar mit Verhandlungsmöglichkeit) und „dynamische“ Verfahren (mit vorhergehender Präqualifikation, also Teilnahmestufe). Daneben sollen weiterhin Innovationspartnerschaften möglich sein.
- Bestbieterprinzip als Regelfall: Die Verordnung sieht einen deutlichen Abgang vom Billigstbieterprinzip, hin zu mehr Qualität in der Beschaffung vor. Ein Abweichen vom Bestbieterprinzip soll nur in begründeten Fällen möglich sein („Comply-or-Explain”-Mechanismus).
- Buy European: Die EU wird protektionistischer. EU-Bieter und -Produkte sollen bevorzugt werden (ausgenommen Länder, mit denen – zB im Rahmen der WTO – eine wechselseitige Öffnung des Beschaffungsmarktes vereinbart ist). Auch EU-Wertschöpfung soll berücksichtigt werden können (was praktisch sehr herausfordernd sein kann). Die Europe-First-Strategie ist aber sowohl handelspolitisch nachvollziehbar als auch durch rezente EuGH-Rechtsprechung gestützt (EuGH Kolin und CRRC).
- Politikziele und strategische Beschaffung: Der Verordnungsentwurf will einen kohärenten Rechtsrahmen für die Integration strategischer Politikziele in den gesamten Vergabezyklus schaffen. Im Bereich Green Procurement sollen insbesondere die Kreislaufwirtschaft, die Energieeffizienz sowie verbindliche grüne Beschaffungsanforderungen für bestimmte Produktkategorien gestärkt werden. Darüber hinaus sollen soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen, Inklusion und Barrierefreiheit stärker berücksichtigt werden.
- Sicherheit und Resilienz: Öffentliche Auftraggeber sollen (weiter) ermächtigt und teilweise verpflichtet werden, Risiken für die öffentliche Sicherheit, kritische Infrastrukturen, die Cybersicherheit sowie die Resilienz von Lieferketten im Rahmen von Vergaben zu berücksichtigen. Besondere Anforderungen sollen dabei für Aufträge mit Bezug zu wesentlichen oder wichtigen Einrichtungen sowie zu kritischen Infrastrukturen gelten.
- Zugang für KMU und Vereinheitlichung Ausschlussgründe: Eignungskriterien sollen vereinfacht und auf das Erforderliche und Angemessene reduziert werden. Bisher teilweise über Rechtsakte „verstreute“ Ausschlussgründe (zB Abfallverbringung, Ökodesign usw) werden unionsweit zusammengefasst und einheitlich geregelt.
- Governance und Digitalisierung: Zur Steigerung der Effizienz soll die Verordnung ein interoperables digitales Beschaffungs-Ökosystem mit harmonisierten Standards und einem elektronischen Eignungsdienst (Once-Only-Prinzip) schaffen. Auf nationaler Ebene werden Nationale Vergabedatenräume und auf EU-Ebene ein Union-level Public Procurement Data Space eingerichtet, um den gesamten Beschaffungszyklus unionsweit transparenter und datengestützter zu gestalten. Dazu soll die Verordnung Governance-Strukturen durch Maßnahmen gegen Betrug, Absprachen, Korruption und Interessenkonflikte stärken. Die Mitgliedstaaten müssen zu diesem Zweck eine nationale Koordinierungsbehörde benennen und jährlich über die Leistungsfähigkeit ihres Vergabesystems berichten.
Alle Details finden Sie hier: Proposal for a regulation on public contracts and concessions – Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs
Commission proposal for EU public procurement regulation published
The European Commission has officially published its proposal for a regulation on public contracts and concessions, marking a significant step towards the reform of EU public procurement law.
Following a previously leaked draft, the official Commission proposal is now available. In particular, the proposal would introduce the following key changes:
- One single regulation: The current three-directive framework governing public procurement, utilities and concessions would be replaced by a single directly applicable EU regulation. This would remove the need for national transposition and substantially reduce Member State-specific “gold-plating”.
- Simpler and more flexible tender procedures: The proposal would streamline the available procedures, primarily distinguishing between open procedures and dynamic procedures involving a prior participation stage. Innovation partnerships would remain available.
- Most economically advantageous tender (MEAT) as the default: The most economically advantageous tender would become the clear default award standard. Any departure in favour of the lowest price would need to be specifically justified under a “comply or explain” approach.
- “Buy European”: The proposal would give greater weight to EU tenderers, products and added value, subject to international market access commitments, including under the WTO framework. This “Europe First” approach reflects a broader policy focus on strengthening EU economic interests and is consistent with recent CJEU case law (Kolin and CRRC).
- Strategic procurement: The regulation would further embed strategic policy objectives in procurement, including green public procurement, circular economy requirements, energy efficiency, working conditions, inclusion and accessibility.
- Security and resilience: Contracting authorities would be expected – and in certain cases required – to address risks relating to public security, critical infrastructure, cybersecurity and supply-chain resilience.
- SME access and exclusion grounds: Selection criteria would be simplified and limited to what is necessary and proportionate. Exclusion grounds currently dispersed across several EU acts would be consolidated and harmonised.
- Governance and digitalisation: The proposal would strengthen procurement governance and monitoring through interoperable digital systems, national and EU-level public procurement data spaces and enhanced measures to combat fraud, collusion, corruption and conflicts of interest.
Further details are available in the European Commission’s proposal: Proposal for a regulation on public contracts and concessions – Internal Market, Industry, Entrepreneurship and SMEs
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