"BIM" – Building Information Modeling; Aspekte einer BIM-spezifischen Leistungsbeschreibung

by Thomas Anderl and Michael Müller

Building Information Modeling (BIM) stellt die Zukunft des Bauens dar. Man versteht darunter eine softwarebasierte "Methode zur vernetzten und kooperativen Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden anhand eines von allen Beteiligten genutzten dreidimensionalen Gebäudemodells, in welchem zusätzliche Informationen, etwa über Quantitäten, Qualitäten und Kosten, hinterlegt sind"[1]. Im Unterschied zu den USA ist BIM in Europa und insbesondere in Österreich noch nicht so weit verbreitet[2], jedoch wird sich dies aufgrund europarechtlicher Vorgaben in den nächsten Jahren ändern.

BIM stellt als interdisziplinäre Planungsform hinsichtlich der Formulierung von (Bau-)Werkverträgen eine Herausforderung dar. Im Unterschied zu bisherigen Bauprojekten erfordert die Umsetzung eines Bauprojekts mit BIM eine wesentlich stärkere Kooperation aller Beteiligten, die in den Rechtsverhältnissen mit sämtlichen Beteiligten vorzusehen ist.

Bei BIM handelt es sich um eine integrale und interdisziplinäre Planungsform, weshalb es auch einer BIM-spezifischen Leistungsbeschreibung bedarf, um BIM mit sämtlichen Vorteilen und Mehrwerten umsetzen zu können. Die "BIM-Idee" besteht nämlich darin, die verschiedenen Leistungsbeiträge der Planung in neuartiger Weise zusammen zu führen und derart miteinander zu verschränken, dass am Ende auch ein anderes Leistungsergebnis, nämlich ein interdisziplinäres Gebäudemodell, steht. Hierfür existiert – im deutschsprachigen Rechtskreis – (noch) keine Standardleistungsbeschreibung, weshalb eine BIM-gerechte Leistungsbeschreibung von der ausschreibenden Stelle originär geschaffen werden muss.

Die Erstellung einer solchen interdisziplinären BIM-spezifischen Leistungsbeschreibung stellt für den Vertragsersteller eine beachtliche Herausforderung dar. Neben der Beschreibung des Leistungs-Solls für das zentrale virtuelle Gebäudemodell sowie zu definierenden inhaltlichen Voraussetzungen zu bestimmten Zeitpunkten, ist insbesondere auch ein technisches Regelhandbuch für jene Detail-Informationen, die einzelne Modellelemente haben müssen, sowie deren Datenformat(e), zu erstellen. 

Diese Leistungsbeschreibung sollte aber gerade nicht in einer bloßen Aneinanderreihung und Aufsummierung der einzelnen "klassischen" Planungsleistungen bestehen, da dies der BIM-Idee widersprechen würde.[3] Bei BIM geht es eben gerade nicht bloß darum, dass alle Planungsbeteiligten dasselbe elektronische Zeichnungsformat (zur besseren Weiterverarbeitung durch einen anderen Planungsbeteiligten) verwenden, sondern vielmehr um eine neuartige inhaltliche, organisatorische und technologische Koordination der Leistungen und deren ganzheitliche Dokumentation in einem virtuellem Gebäudemodell.[4]

Anstelle einzelner abgrenzbarer Planungssphären erstellen die Projektbeteiligten bei BIM ein gemeinsames und übergreifendes Gebäudemodell. Diese "BIM-Idee" muss sich auch in dem zu formulierenden Leistungs-Soll wiederfinden: Sämtliche Planungsleistungen sind derart ineinander und miteinander zu verschränken, dass am Ende das gesamte virtuelle Gebäudemodell als gemeinsames Leistungsergebnis steht.

Die Verbreitung von BIM ist in Österreich im internationalen Vergleich noch relativ gering. Aus (bau-)werkvertragsrechtlicher Sicht sollte dem Auftraggeber bewusst sein, dass er die BIM-Mehrwerte nur dann generieren kann, wenn er selbst (aktuell mangels Vorliegen einer BIM-Standardleistungsbeschreibung) eine originäre BIM-spezifische Leistungsbeschreibung erstellt. 


[1] Siehe ua Chahrour, in Motzko, Zukunftspotential Bauwirtschaft, 2013, 32.

[2] Vgl. Kovacic/Oberwinter, Prozess-Optimierung für BIM-unterstützte Lebenszyklus-orientierte Planung, TU-Wien, 2013, unter http://publik.tuwien.ac.at/files/PubDat_219277.pdf am 28.7.2014, um 15:17.

[3] Vgl. Eschenbruch/Malkwitz/Grüner/Poloczek/Karl, Maßnahmenkatalog zur Nutzung von BIM in der öffentlichen Bauverwaltung unter Berücksichtigung der rechtlichen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen ("Gutachten zur BIM-Umsetzung"), 17; siehe http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZB/Auftragsforschung/3Rahmenbedingungen/2014/BIMMassnahmenkatalog/01_start.html?nn=440404&notFirst=true&docId=824886; vgl. auch Liebich/Schweer/Wernik, Die Auswirkungen von Building Information Modeling (BIM) auf die Leistungsbilder und Vergütungsstruktur für Architekten und Ingenieure sowie auf die Vertragsgestaltung, Schlussbericht, 8.

[4] Siehe Liebich/Schweer/Wernik, Die Auswirkungen von Building Information Modeling (BIM) auf die Leistungsbilder und Vergütungsstruktur für Architekten und Ingenieure sowie auf die Vertragsgestaltung, Schlussbericht, 20.

Author

Thomas Anderl

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Austria