"BIM" – Building Information Modeling: Aspekte bei der Projektabwicklung

von Thomas Anderl und Michael Müller

In der vergangenen Newsletter-Ausgabe wurden bereits die Grundlagen zu Building Information Modeling (BIM) sowie die BIM-spezifische Leistungsbeschreibung behandelt. In diesem Aufsatz werden die Projektabwicklung sowie die damit verbundenen rechtlichen Fragestellungen thematisiert. Dabei stellt insbesondere die Problematik, wie man alle Projektbeteiligte "unter einen Hut bringt", eine sehr große Herausforderung dar.

Zu Beginn der Projektplanung hat der Auftraggeber (AG) eine grundlegende Entscheidung hinsichtlich der Entstehung des BIM-Modells zu treffen. Entweder arbeiten sämtliche Projektbeteiligte an einem Gesamtmodell oder es wird zunächst in einzelnen Fachmodellen gearbeitet, welche mithilfe einer entsprechenden Schnittstellen-Software zusammengeführt werden. Dies stellt einerseits eine technische Frage dar, jedoch können damit andererseits auch gravierende rechtliche Folgen, insbesondere haftungsrechtlicher Natur, verbunden sein.

Ganz wesentlich ist aber ohnedies, dass die kooperative Zusammenarbeit zwischen sämtlichen Projektbeteiligten sowohl aus organisatorischer als auch aus technischer Sicht ausreichend festgelegt wird. Ein Ausscheren Einzelner muss verhindert werden, da andernfalls der Erfolg des BIM-Projekts gefährdet ist. Deshalb sind klare und einheitliche BIM-"Spielregeln" vertraglich oder in einer "BIM-Richtlinie" und/oder "BIM-AGB" festzuschreiben:

Eine zentrale und unabdingbare Anforderung für eine reibungslose BIM-Planung ist das Vorhandensein entsprechenden BIM-Know-Hows während des gesamten Projekts. Auch wenn dies – insbesondere aus arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten – nie gänzlich gesichert werden kann, kann mithilfe entsprechender rechtlicher Instrumentarien dem Verlust des BIM-Know-How aufseiten des Auftragnehmers (AN) vorgebeugt werden.

So etwa (a) durch Definition entsprechender Kriterien hinsichtlich Eignung und Größe des Projektteams bereits im Zuge der Vergabe, (b) die Benennung von BIM-Verantwortlichen durch die Planungsbeteiligten, welche verpflichtend für das jeweilige Projekt zu "reservieren" sind, (c) durch eine Informationspflicht an den AG für den Fall, dass ein BIM-Verantwortlicher ausscheiden sollte, und die Einräumung des Rechts an den AG, einen direkten Vertrag mit dem verantwortlichen Mitarbeiter abzuschließen, (d) das Angebot von Incentives für die ungestörte Bereitstellung eines ganzen Projektteams, und gegebenenfalls auch entsprechender Mitarbeiter auf Reserve, sowie (e) die Vereinbarung von Vertragsstrafen für den Fall eines grundlosen Mitarbeiteraustauschs durch einen AN.[1]

Zudem ist es essentiell, sämtliche Schnittstellen zwischen den jeweiligen Projektbeteiligten organisatorisch und technisch bis ins letzte Detail zu definieren, um etwaige daraus resultierende Streitigkeiten zu verhindern.[2] Es muss vertraglich sichergestellt sein, dass alle Beteiligten am Gebäudedatenmodell mitarbeiten und die entsprechenden Daten und Pläne dort abholen und auch ihre eigenen Beiträge dort einstellen. Gerade eine ungenaue Vereinbarung von Schnittstellen birgt enormes (Schadens-)Risiko.

Darüber hinaus sollte der Zeitpunkt der Ablieferung der einzelnen Leistungen als auch deren Qualität (also die Definition von "Meilensteinen" sowie der "Datenqualität", die jeweils eine Aufgabe des AG-seitigen BIM-Managers darstellt[3]) klar definiert werden. Es muss verhindert werden, dass Pläne erst "in letzter Sekunde" hochgeladen werden, denn dies provoziert Fehler und Ungenauigkeiten. Gerade aber durch die zunehmende Virtualisierung kann ein diesbezüglicher Trend beobachten werden, weshalb es zu befürchten ist, dass sich dies im Zuge der Implementierung von BIM in der Praxis deutlich verstärken wird. Dementsprechend müssen daher klare Regeln vorgesehen werden, wann bestimmte Leistungen abgeliefert und wann diese in weiterer Folge auch freigegeben werden müssen.[4]

Außerdem, und dies ist vor allem aus organisatorisch-logistischer Sicht ungemein wichtig, muss von Anfang an klar bestimmt werden, wer über entsprechende Zugriffs-, Nutzungs- und insbesondere Änderungsrechten am BIM-Datenmodell verfügt, und damit die "Datenhoheit" hat. Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass sich durch unkoordiniertes Zusammenarbeiten parallele oder gar unterschiedliche Bearbeitungsstände ergeben, die letztlich zu einem Nachtrag des AN Bau und damit zu Mehrkosten und/oder Bauzeitverlängerung führen können. Häufig kann dies bereits durch die Software verhindert und entsprechend sichergestellt werden, jedenfalls sollte dies aber auch vertraglich geregelt werden. Überhaupt muss der AG sicherstellen, dass er jederzeit über die Datenhoheit des BIM-Modells verfügt.[5]

Die Umsetzung eines Bauprojekts mittels BIM hat zahlreiche Vorteile, jedoch sind neben praktischen und technischen Herausforderungen auch zahlreiche juristische Probleme zu berücksichtigen, die sich bei herkömmlichen Bauvorhaben in dieser Form noch nicht gestellt haben. Insbesondere sind vertraglich detaillierte Regelungen zu treffen, damit Klarheit geschaffen ist und der Projekterfolg nicht gefährdet wird.

[1] Vgl. Eschenbruch/Malkwitz/Grüner/Poloczek/Karl, Maßnahmenkatalog zur Nutzung von BIM in der öffentlichen Bauverwaltung unter Berücksichtigung der rechtlichen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen ("Gutachten zur BIM-Umsetzung"), 64 f.

[2] Siehe Gutachten zur BIM-Umsetzung, 62.

[3] Vgl. Egger/Hausknecht/Liebich/Przybylo, BIM-Leitfaden für Deutschland, 95 (siehehttp://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP/ZB/Auftragsforschung/3Rahmenbedingungen/2013/BIMLeitfaden/01_start.html?nn=436654&notFirst=true&docId=702606).

[4] Siehe Gutachten zur BIM-Umsetzung, 60 mwN.

[5] Vgl. Gutachten zur BIM-Umsetzung, 62 ff.

Author

Thomas Anderl

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Austria